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kvapilneu

Boleslav Kvapil Kunstmaler

Wann: 15.09.2017 | 19:00 Uhr

Eröffnung der Ausstellung. 


 

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Chapeau Kvapil

Ausstellung Schloss Randegg

Vernissage am Freitag, 15. September 2017

Boleslav,

Sag jetzt nicht, Du bist nicht da. Ich weiß genau, dass Du da bist. Gut, bei Vernissagen Deiner Ausstellungen in der ersten Reihe zu stehen, ist nicht so wirklich Dein Ding. Sabine muss Dich jedes Mal nach vorne ziehen und immer wenn Du dann da stehst, auf Deinen Stock gestützt, dann sieht man, was in Dir vorgeht. Erstens, was machen die alle hier? Zweitens, was redet der da? Drittens, jetzt eine zu rauchen, wenn ich es dürfte oder am liebsten im Haus in Gottmadingen zu sitzen, ein Pils zu trinken, wenn ich es dürfte, und neue Bilderwelten zu erfinden, sowas geht Dir durch den Kopf. Man sieht, wie Du während der Rede in die Runde blickst. Manchmal, wenn ich dich beobachte, denke ich, wenn Du jetzt Leute beobachtest, die Dir missfallen, die kommen dann mit ins nächste Bild. Wenn man aber ganz tief in Dich blickt, das kannst Du dann auch nicht verbergen, dann bist Du stolz auf Dein Werk.

Aber, weißt Du, eigentlich bist Du ja sehr verträglich, und wenn die Rede vorbei ist, dann bist Du auch nicht mehr so brummig, dann stehst Du irgendwo in der Ausstellung, hörst den Leuten zu und nachher sagst Du, es sei durchaus hörenswert, was da einer sagt über Deine Bilder, es könne ja nicht schaden, wenn auch Du mehr über diesen Kvapil erfährst. Und ich - glaube nicht, dass ich es nicht merke - ich sehe so ein Glitzern in Deinen Augen, besonders an Tagen, wo Du Dich gut fühlst – und dieses Glitzern sagt mir: Du weißt schon, was Du da alles gemalt hast in rund 50 Jahren, aber muss man sich das alles merken? Nein, sagst Du, da habe ich, angefangen von Sabine bis hin zu Leuten, die mich kennen, genug Kenner, die mir notfalls auch mal erklären, wie das Bild heißt, welches ich vor vielen Jahren gemalt habe und das im Keller, gemeinsam mit vielen anderen, aufbewahrt wird, bis es einer haben will.  

Eines Deiner Bilder hängt bei Madeleine Albright. Da könnte doch Stolz in Deiner Stimme mitschwingen, dass so jemand ein Bild von Dir hat, eine amerikanische Außenministerin – und was tust Du? Du sagst, das sei halt eine familiäre Verbindung aus alten Zeiten – und Du denkst nicht im Traum daran, es an die große Glocke zu hängen. Es hat aber – glaube ich – auch damit zu tun, dass Du wenig Abschiedsschmerz fühlst, wenn ein Bild das Haus in Gottmadingen verlässt, es hat mit Deiner Einstellung zu Deinen Arbeiten zu tun. Du malst, Du bist fertig und es folgt eine neue Leinwand. Was unterdessen in Deinem Kopf abgeht, was warum aus Deiner Gedankenwelt in die Bilder hineinfließt, ja, da bist Du allerdings nicht sehr auskunftsfreudig. Du sagst, es sei eine stille Geschichte. Die Ideen kommen meist blitzartig, man hört was im Fernsehen oder es sind menschliche Beziehungen. Es kommt einfach so.

Ich beobachte, wie Du malst. Irgendwo auf der Malfläche eine erste Geschichte. Die kann im späteren Bild eher unwichtig werden, sie kann aber auch im Mittelpunkt bleiben. Eine Szenerie, zuweilen wie aus dem Theater, weitere Figuren oder Landschaftsteile tauchen auf im weiten Rund der Bildbühne, nachher fügen sich ganze Erzählstränge zusammen in Öl, was Dein Lieblingsmalmittel ist, Gott sei Dank hast Du Ölfarben gefunden, die keine Allergie auslösen. Aber da sind all diese großen und kleinen Erzählungen oder Puzzleteile, die Du unter dem Mikroskop Deiner Gedanken begutachtest und wie mit dem Tele heranziehst, in verschobenen und verschachtelten Perspektiven.

Und weißt Du, Boja, wenn Du schon nicht sagen kannst, was da im Kino Deines Gehirns gespielt wird, woher soll ich es dann wissen. Ich vermute: vielleicht Lust, blanke Lust. Aber dazu musst Du gut gelaunt sein.

Oder Therapie. Der Gedanke liegt nahe, denn vor diesen fünf Jahrzehnten Deiner Malerei musstest Du in einem – mit Verlaub gesagt – Scheißland leben. Hast Du selbst mal zu mir gesagt. Gleichzeitig Dein Heimatland, das Land Deiner Kindheit, Deiner Jugend – und die Idioten mit ihrem bescheuerten Stalinismus haben Dir zwölf Jahre Deines Lebens geraubt. Das Land von Smetana, das Land des guten Bieres, des braven Soldaten Schwejk, auch einmal für Dich das Land der Hoffnung, als Dubcek kurz regierte, Du wenigstens zwei Jahre Journalistik studieren konntest – und dann die Flucht. Dass Leute bei der Alu in Singen wie der Wafrö oder der Manfred geholfen haben, auch andere wie Friedhelm Möhrle oder Paul Gönner Dich seit 1974 zum Malen und zum Ausstellen Deiner Bilder animiert haben, es war eine Hilfe. Es ging ja trotzdem nicht glatt. Der Tod Deiner ersten Frau, schwierige Zeiten, ein Leben in einem Land, in dem immer noch das Wort der völkischen Überfremdung herumgeistert, man kann sich schon einfachere, weniger komplizierte Biographien vorstellen. Aber dann, Deine zweite Frau, die Dir neuen Halt gegeben hat.

Aber ich sage Dir: Letztendich ist es darauf hinausgelaufen, dass Du Dir selbst hilfst in und mit Deinen Bildern. Was einerseits dazu führt, dass Deine Bilder immer Du selbst sind – darum sage ich ja auch, Du bist jetzt hier mitten unter uns – und andererseits, dass bei Dir Deinem Gesamtwerk gegenüber eine merkwürdige Fremdheit ist, Deine Bilder sind die Begleiter Deines Lebens, aber tatsächlich zur offiziellen Begleitung ist nur das Bild zugelassen, das Du gerade malst. Damit die Bilder Dich stützen, musst Du immer neue malen.

Was hier in Randegg von Dir zu sehen ist: Ich nenne es eine böhmische Chronik im Stil des Kvapilismus. Du weißt, dass Dein Landsmann und Journalist Jiri Hochman solch eine „böhmische Chronik“ als eine politische Parodie geschrieben hat, 1968 mit der Erkenntnis, nach dem Ende des Prager Frühlings sei es nun gleichzeitig besser und schlechter in der Tschechoslowakei. Man treffe nun nicht mehr so viele kluge Leute, das sei schlecht, man treffe aber vermehrt wieder dumme Leute, das sei gut, weil man wisse, mit wem man es zu tun habe. Du zählst im Übrigen zu den Guten, die man zwei Jahre danach, also 1970, nicht mehr traf in Prag. Mich erinnert es an Deine Erzählung, dass die Zwangsjahre Deiner Jugendzeit im Bergwerk für Dich wenigstens den Vorteil hatten, nur mit klugen Leuten beisammen zu sein, denn die Gefangenen und Verurteilten im Stollen, das war die intellektuelle Elite, so viel kluge Leute auf einem Haufen hast Du nachher nicht mehr oft getroffen. Es ist dies deine Art von sehr sprödem Humor, versehen mit einer Prise Schwarzem Theater und einer Prise Fritz Muliar und dem braven Soldaten Schwejk, irgendwo zwischen gnadenlosem Ernst und verschmitztem Humor, der seither Deine Bilderwelten auszeichnet.  

Weißt Du eigentlich, dass derzeit in einer Kunstausstellung in Stockach eine Originalgraphik von Salvatore Dali neben einem Unikat von Dir hängt? Hab ich noch nicht erzählt? Doch, da hängt Deine Arbeit neben seiner. Verwandte im Geiste seit ihr nämlich: Du und der Dali. Der daliistische Surrealismus und der kvapilistische Surrealismus: je abstrus-surrealistischer ihr beide die Welt darstellt, desto leichter wird sie erkennbar. So etwas gilt als kaffkaesk. So etwas muss man können. Lernen kann man das nicht.

Deine vermeintlich gegenständliche Bilderwelt. Aber nur vermeintlich. Du hast eine Art, das Abstrakte gegenständlich zu machen. Dabei willst Du ja gar kein Abstrakter sein. Als wir bei Dir im Garten sitzen, übrigens in Begleitung einer schönen Frau, die da hinter mir im Bild, Du hast das Bild nämlich unter dem Baum im Garten hingestellt, weil eine Ausstellung vorzubereiten ist, da reden wir über die Kunst, den Stoff und das Muster des Kleides so hinzukriegen, dass es fast haptisch wirkt. Darüber reden wir und dass man schon so malen soll, dass man Stoffliches begreift. Da schweifst Du ab und sagst, es sei die Schwäche der abstrakten Kunst, im eigentlichen Sinn des Wortes nichts begreifbar zu machen. Du hast Dich mit Paul Klee beschäftigt, mit diesem schmalen Grat zwischen dem realen Gegenstand und dem Übergang zum Symbol, das einen Gegenstand im Bild vertreten soll und weil ich das nicht gleich verstehe, holst Du aus der Garage einen Karton. Den nutzt Du, um überflüssige Ölfarbe abzustreichen oder Farbmischungen zu probieren. Jetzt kommt dieses verdächtige Glitzern in Deine Augen. Und dann fragst Du, ob es wohl einer merken würde, dass da etwas nicht stimmt, wenn Du den Karton in einer Aufstellung aufhängst. Den Rest des Nachmittags verbringen wir mit einer Diskussion, welchen Titel der Karton dann wohl haben sollte. Wie immer hast Du die besten Vorschläge. Hingehängt hast Du ihn aber nie, ich glaube, er liegt immer noch in der Garage.

So kommen sie also zusammen, die Bilder aus fünf Jahrzehnten, hier von Freunden, von Deiner Familie, von Sabine vor allem ausgewählt, damit man sehen kann, wer Du bist und was Du machst. Was hast Du nicht alles gemalt. Landschaften, sanft. Landschaften eruptiv. Gemüse, Kräuter, Blumen, gut gedeckte Tische, so schön, dass man sich davon auch die Küche vollhängen will. Reißende Tiere, Gewalt, Tod, das kommt Dir auch auf die Leinwand, da muss man überlegen, wo solch ein Bild hängen könnte. Dann Menschenpersonal aller Art und Haltung, auffallend viele Narren, nicht zu vergessen schöne Frauen, Du bist ein guter Beobachter. Aber, sag mal, wie lange trägst Du solche Figuren aus der Gesellschaft, aus Politik und Wirtschaft in Deinem Kopf mit Dir herum, bevor sie fast manisch auf die Leinwand herabprasseln, so als ob ein Wasserschlauch geöffnet wird. Wie lange hast Du das vorher gespeichert? Oder entledigst Du Dich Deiner romantischen Phantasien, Deiner subtilen Gesellschaftskritik so schnell wie es nur geht? Eben noch gesehen oder gefühlt, schon im Bild untergebracht? Ich weiß es nicht. Du sagst ja nichts dazu. Außer: Warum soll ich reden wenn ich male.

Oder kann es sein, dass Dein Bedürfnis, Dich an der Welt zu reiben, im gleichen Moment beendet ist, wenn das Bild von Dir beendet ist? Fließen gar keine Botschaften in Deine Bilder ein, sondern werden erst anschließend von Leuten wie mir hochgeladen und hineingedichtet? Das weiß ich auch nicht so genau. Weißt Du Boja, ich glaube beinahe, dass Du Dir selbst ein Rätsel bist. Einmal hast Du es aber herausgelassen: Wir haben zusammen ausgestellt und ich sagte, ich zeige See-Bilder. Da bist Du einen Augenblick still und dann sagst Du: und ich male Seelenbilder. So haben wir unsere Ausstellung vor drei Jahren auch genannt. Seebilder –Seelenbilder. Ach Boja.

Den Geschmack des Publikums triffst Du schon. Ja ich weiß, wenn wir darüber reden, setzt Du ein eher kritisches Gesicht auf, schließlich kann es ja passieren, dass einer ein Bild von dir kauft und nicht merkt, dass er darauf zwar nicht als Porträt, aber sehr wohl als Geisteshaltung verewigt ist. Du verdeckst Deine Botschaften ja auch wunderbar mit Deiner Poesie und Deiner Lyrik, die so viel Musik in sich trägt und tiefe Kenntnis über Autoren und Literatur, über Propheten und Philosophen verrät. Und damit Dir das nicht zu Kopfe steigt, gehst Du in den Keller, holst den Handwerker aus Dir hervor und baust Bilderrahmen oder machst Holzkisten mit wunderbarer Bemalung. Manche dieser Bemalungen, noch in keiner Ausstellung zu sehen gewesen. Mein Favorit: die Wassertonne im Garten in Gottmadingen. Dein Bedürfnis, die Welt ansehnlicher und lebenswerter zu machen, schimmert da hindurch, so wie auch hier in dieser Ausstellung in Städte- und Gartenlandschaften voll ornamentaler Mystik, Städte wie aus Tausend und einer Nacht.

Und Gebirge kannst Du malen. Sie wirken manchmal so dunkel, geheimnisvoll, auch bedrohlich. Man findet diese Berge viel bei Dir bis hin zu den feurigen Vulkanen. Du grenzt den Horizont ab. So ein Abschluss, als gehe es dahinter nicht weiter. Du bettest Deine Geschichten gerne in solch ein Panorama ein, Landschaften, die Du ganz am Anfang in den 70er Jahren ja auch vom Bodensee gemacht hast, ganz stille Bilder von einer anrührenden Einsamkeit.

Du kannst von Stille erzählen, von Lärm, von Klugheit und von Blödheit, Du kannst naiv sein und expressiv, ausdrucksstark und minimalistisch, immer wie es Dir in den Sinn kommt. Schwierig, den Wechseln genauso schnell zu folgen, wie Du sie malst.

Mir fällt ein Zitat von Robert Musil ein: Ich habe Dir das mal erzählt, Du hast zugehört und gemeint, na ja, der Musil hat auch viel geschrieben, wenn der Tag lang ist. Ich finde, es passt trotzdem auf Dein Werk. Beim Musil geht es nämlich um einen Menschen, der versucht, mit bildnerischen oder literarischen Mitteln den Geheimnissen der Gesellschaft auf die Spur zu kommen. Und jetzt Boja, jetzt pass auf, jetzt sagt der Musil nämlich: was der Künstler herausfindet, was er aufdeckt, was er schreibt oder malt, das sei schon ein Schicksal. Weil: „Immer aber bleibt ein schreckartiges Staunen wie vor einer halb irrsinnigen Welt“.

So, Boja, jetzt hab ich Dich. Deine Bilder, jedenfalls die meisten, sind Dein persönliches schreckartiges Staunen vor einer halb irrsinnigen Welt. Von Gedeon über Höcke bis Orban. Von Erdogan über deutsche Automanager bis zu Trump oder Kim Jong-Un. Versicherungs- und Staubsaugervertreter, gekaufte, gemietete oder einfach nur dämliche Politiker. Solche Ganoven und noch viele andere bis hin zu ganz kleinen, in all ihrer so hoch gefährlichen Lächerlichkeit, die kann man bei Dir in deiner Bilderwelt entdecken. Und daneben ein Kind, ein Junge in einer Allee, ein Traum, eine Sehnsucht, ein Kind das mich anblickt. Bist Du das? Herrgottnochmal Boja, wie fällt Dir sowas bloß ein. Vielleicht, weil Du denkst, wenn die Welt halbirrsinnig ist, dann ist sie ja gleichzeitig auch halbnormal. Kann das sein, dass Du das denkst? Dass Du Dir den Irrsinn leisten kannst, weil Du Dir den Glauben an das Gute nicht nehmen läßt?

Lieber Boja. In der anderen, der normalen Hälfte gibst Du seit über 50 Jahren Dein Bestes, dass es nicht schlimmer wird. Weißt Du eigentlich, dass Leute wie Du auch immer eine Hoffnung sind?

Chapeau Kvapil. Auf das Leben.  

Randegg, 15. September 2017

Thomas Warndorf

 



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bregenzkrumbachh

Dorfspaziergang Krumbach

Wann: 07.10.2017 |

Zum wiederholten Mal, aber jedesmal auf neuer Entdeckungstour, lädt der FöKuHei Gottmadingen alle Interessierten ein, ans andere Ende des Bodensees mit zu fahren. 

 

 

Das Kunsthaus Bregenz, dem weltweit hoch geschätzten Veranstaltungsort für eitgenössische Kunst, präsentiert in einer von ihm selbst kuratierten Ausstellung den Architekten des Hauses: Peter Zumthor. Der als äußerst eigenwillig und kompromisslos bekannte Planer, zeigt seine Art zu arbeiten, zu denken, zu entwerfen. Zumthors Welt, in Anspielung an Sofies Welt von Jostein Gaarder, dem berühmten Buch zur Philosophiegeschichte, heißt die Ausstellung. In Kurzfilmen bespricht er die Plätze und Bedingungen seiner Projekte. Neben dem Kunsthaus Bregenz (1997) und der Therme Vals (1996) zählen das Kolumba, Kunstmuseum des Erzbistums Köln (2007) und das Haus für den werkraum Bregenzerwald in Andelsbuch (2015) zu den bekanntesten Werken des 2009 mit dem Pritzker-Preis, dem bedeutendsten Architekturpreis der Welt, für sein Lebenswerk ausgezeichneten Architekten. Eine Führung durch die Ausstellung wird das Ganze vertiefen.


Peter Zumthor wurde 1943 in Basel geboren. Er absolvierte eine Ausbildung als Möbelschreiner in der Werkstatt seines Vaters sowie als Gestalter und Architekt an der Kunstgewerbeschule Basel und am Pratt Institute, New York. 1978 gründete er sein eigenes Architekturbüro in Haldenstein, Graubünden, wo er bis heute lebt und arbeitet. Er hatte zahlreiche Gastprofessuren unter anderem am Southern California Institute of Architecture, SCI-Arc, Los Angeles, 1988; an der Technischen Universität München, 1989; und an der Graduate School of Design, GSD, Harvard University, Boston, 1999.Von 1996 bis 2008 hatte er eine Professur an der Accademia di architettura, Università della Svizzera Italiana, Mendrisio. www.kunsthaus-bregenz.at


Nach dem Mittagessen, geht die Fahrt weiter nach Krumbach, einer kleinen Gemeinde im westlichen Bregenzerwald, die sich in den letzten Jahren, ebenfalls durch ein besonderes Engagement in Sachen Architektur, weit über die Region hinaus einen Namen gemacht hat. Sei es das Projekt bus stop, bei dem die Gemeinde Architekten aus der ganzen Welt eingeladen hat ein Bushalte-Häuschen zu entwerfen, herausgekommen sind 7 eigenwillige, total unterschiedlich gebaute kleine Kunstobjekte, sei es die neu gestaltete Ortsmitte mit neuem Gemeindehaus oder zuletzt die kleine Kapelle Salgenreute, ein von den Anwohnern initiierter und finanzierter, schindelverkleideter Holzbau, der in seiner Schlichtheit und perfekten Ausführung ein Ort der Ruhe und Andacht geworden ist. Im Rahmen eines ca. 2-stündigen Spaziergangs durch den Ort wird Herr Klaus Riedl Krumbach und seine Besonderheiten vorstellen.

www.krumbach.at



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nurmut

Nur Mut

Wann: 14.10.2017 | 20:15 Uhr

die Klavierkabarettistin Sarah Hakenberg kommt am Samstag, 14. Oktober (ein Erlebnis !!) zu uns. Beginn 20.15 Uhr (beste Sendezeit), Ort noch nicht bekannt.

Ticket Reservierungen unter reservierung@foekuhei-gottmadingen.de oder direkt hier online

Sie tut nur Nett - 17.01.2016 WELT - Christian Böhm Zum Artikel

Aufrecht sitzt sie am Flügel. Mit durchgedrücktem Rücken. So wie es strenge Klavierlehrer gerne sehen. Sarah Hakenberg legt den Kopf leicht schief, blickt ins Publikum und lächelt – mit dem Mund, mit den Augen, irgendwie mit dem ganzen Gesicht. Das rote Kleidchen spannt schon am Bauch, worüber noch zu reden sein wird. Dann greift die zierliche 37-Jährige in die Tasten, fängt an zu singen. Und das Auditorium lacht. Etwa über Strophen wie diese: „Wer stimuliert sich heute noch mit Speed und Kokain? Für Kinder und Erwachsene gibt es jetzt doch Ritalin.“

„Struwwelpeter reloaded“ heißt Hakenbergs aktuelles, mittlerweile drittes Solo-Programm. Vergangene Woche hat die gebürtige Kölnerin dafür bei der Verleihung des Deutschen Kabarettpreises in Nürnberg den Förderpreis eingeheimst. Die 4000 Euro gehen größtenteils an die Welthungerhilfe. Sarah Hakenberg gibt gern. Sie sei überhaupt nicht materialistisch veranlagt, sagt sie. Lieber fährt sie Polo statt Porsche. Bald mit Kindersitz. Denn trotz der intensiven Beschäftigung mit dem „Struwwelpeter“ ist die Kabarettistin in freudiger Erwartung. Anfang April wird ihr erstes Kind, ein Junge, zur Welt kommen.

Bei genauem Betrachten des Bilderbuchs des Arztes Heinrich Hoffmann aus dem vorvorigen Jahrhundert kann nicht nur Kindern, sondern auch Eltern angst und bange werden. Da gibt es neben der Titelfigur den bitterbösen Friedrich, der Tiere quält und mit einem Biss ins Bein von einem Hund dafür bestraft wird. Oder den Daumenlutscher, dem ein Schneider beide Daumen mit der Schere abtrennt. Oder den Suppenkasper, der vor dem vollen Teller langsam verhungert. „Ich war ein mutiges Kind“, erklärt Sarah Hakenberg entschieden. Mit diesen Geschichten habe sie sich nie identifiziert, jedoch sehr wohl gegruselt. Hinzu kommt: Die im „Struwwelpeter“ verhandelten Themen seien noch heute relevant.

Konsequenterweise holt sie die in Zorneding aufgewachsene Kabarettistin ins Jetzt. Bei Hakenberg, die nach eigener Aussage als eineinhalbjähriges Mädchen von den Eltern nach Bayern verschleppt wurde, wird Paulinchen, die anno dazumal mit Streichhölzern hantierte, durch Benni, den Bombenbauer ersetzt. Die Geschichte der schwarzen Buben spielt auf dem Kinderfest der NPD. Der Zappelphilipp wird zur Ritalin-Aline. Hans Guck-in-die-Luft heißt heute Mandy und schaut nur noch aufs Handy. Und der Suppenkasper wirdzum drallen Kalle, der nach zu vielen Happy Meals auf dem Fast-Food-Lokal-Spielplatz in der Röhrenrutsche stecken bleibt. Verpackt sind diese pädagogisch wertfreien Geschichten in Liedern, Gassenhauern, Moritaten und Balladen. Tiefschwarzer Humor, vorgetragen mit einem Lächeln.

Die Kabarettpreis-Jury bescheinigte Hakenberg einen wunderbaren Kontrast zwischen ihrem Charme und ihrem bitterbösen Humor. Raffiniert täusche die 37-Jährige Nettigkeit an, „um dann, wenn sich der Zuschauer wohnlich eingerichtet hat, umso boshafter verbal zuzuschlagen“. Das lese sie oft, sagt die so Gelobte. „Mittlerweile hinterfrage ich das.“ Nach kurzer Pause legt Hakenberg mit scherzhaftem Unterton nach. „Gut, das mit dem Charme stimmt.“ Das hänge einfach mit ihrer Menschenfreundlichkeit zusammen. Bitterböse sei sie aber nicht. Darauf bestehe sie. Bei ihr sei, wenn überhaupt, Boshaftigkeit gepaart mit Humor.

Bei manch einem allzu strammen politischen Kabarettisten vergeht ihr deshalb das Lachen. Zu viel Moralin, zu viel Weltverbesserungsgerede. „Das politische Kabarett nähert sich immer mehr der Politik – und umgekehrt.“ Lobend erwähnt sie in dem Zusammenhang ausdrücklich den Nürnberger Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD), dessen humorig-bissiger Auftritt beim Deutschen Kabarettpreis in der Tafelhalle jedem Kabarettisten zur Ehre gereicht hätte.

Der ihr zugesprochene Förderpreis ist eine Auszeichnung für die Vergangenheit und ein Versprechen für die Zukunft. Ob Sarah Hakenberg nun voll durchstartet und eines Tages in der Kabarett-Champions-League mitspielen darf, in der sich die Grubers und Grünwalds die Bälle in die Hand drücken, daran mag sie noch nicht recht glauben. „Man muss schon wirklich tapfer sein und langen Atem haben, es sei denn, man wird vom Fernsehen gehypt“, analysiert Hakenberg ihre beruflichen Erfolgsaussichten. „Klavierkabarett ist für Fernsehredakteure das Schlimmste.“

Es ist nur allzu offensichtlich: Kabarettisten und Komiker mit viel Sendezeit füllen auch die größten Hallen, im Fall von Mario Barth sogar das Berliner Olympiastadion. Beklagen möchte sichSarah Hakenberg darüber nicht. Sie verdiene genug, außerdem liebe sie das, was sie tue. Dennoch appelliert sie an potenzielle Zuschauer, wieder mutiger zu werden, sich auch Künstler live auf der Bühne anzusehen, die nicht im Fernsehen omnipräsent sind.

Wie die meisten Kabarettisten, die sich schon einen Namen gemacht haben oder gerade dabei sind, hat auch sie die Ochsentour über die Dörfer mitgemacht. „Ich bin noch mittendrin“, ergänzt Hakenberg, die ihren Zweitwohnsitz am Tisch der zweiten Klasse im ICE angibt. Auftritte vor vier Zuschauern, dem Deutschlehrer als Ton-Techniker und Übernachtungen in echten Absteigen inklusive. „Und das bei meinen vielen Allergien!“ Mittlerweile aber kennen und schätzen viele Veranstalter Sarah Hakenberg. Und mit dem Erfolg kommt auch die Bequemlichkeit. Mindestens drei Sterne sollten ihre Hotels nun bitteschön vorweisen können.

Rückschläge in ihrer Kabarett-Laufbahn musste die 37-Jährige nicht wegstecken. Die Absagen kamen vorher, gleich nach dem Abitur am Münchner Pestalozzi-Gymnasium, wo Sarah Hakenberg ihr musikalisches Talent im Chor, Orchester und Leistungskurs Musik voll ausleben konnte. An jeder staatlichen Schauspielschule im deutschsprachigen Raum bewarb sie sich und spielt sich als Johanna von Orléans oder Penthesilea, nur starke Frauenfiguren kommen naturgemäß infrage, bestimmt kein langweiliges Gretchen, die Seele aus dem Leib. Sie reiste nach Rostock, Leipzig, Hamburg und noch weiter. Doch niemand will sie haben. Auch der große Klaus-Maria Brandauer verschmähte sie in Wien. Also studierte die Tochter musikalischer Eltern Theaterwissenschaft „als Trost“ in München und schrieb sich einfach ihre eigenen Texte, wenn sie schon die berühmten Bühnenverse nicht aufsagen durfte.

Noch während des Studiums nimmt sie an Poetry-Slams, die Mitte der Nullerjahre in Mode kommen, teil. Bei einem Auftritt im „Substanz“ in München spürt sie „das positive Gefühl zwischen mir und dem Publikum“. Und es reift die Erkenntnis: „Wenn ich mit eigenen Texten auftrete, dann klappt’s.“ Eine, die Hakenberg auf der Slam-Bühne geschlagen hat, gibt ihr den wegweisenden Tipp. „Mach das weiter, was du tust – aber nenn es Kabarett!“,rät ihr Martina Schwarzmann. Die Kollegin hatte damals schon eine große Fan-Base und zählt heute zu den erfolgreichsten Musik-Kabarettistinnen der Republik.

Das mit der Musik kam bei Sarah Hakenberg erst später dazu, genauer gesagt um das Jahr 2010. Sie hörte ihren bis heute hochverehrten Kollegen Sebastian Krämer und denkt: „Das sollte ich auch mal probieren!“ Und auch die Mama, die in Zorneding als Lehrerin arbeitet, sagte: Mach mal ein Lied. Seitdem gehören Klavier und Gesang zu ihrem Repertoire.

Nicht mehr zu ihrem Leben dagegen gehört, von Besuchen und Auftritten abgesehen, das Bayernland. 2015 zieht Sarah Hakenberg nach Ostwestfalen, in eine Kleinstadt zwischen Paderborn und Kassel. Ganz freiwillig übrigens, der Liebe wegen. In Altschwabing hat sie zwar immer gern gewohnt, aber München mit seinen überteuerten Mietpreisen vermisst sie nicht. „Zum ersten Mal bin ich nun an einem Ort, wo die Menschen so sprechen wie ich“, sagt Hakenberg in ihrem klaren, akzentfreien und trotzdem so sympathischen Hochdeutsch. „Und der Effenberg hat’s mir glatt nachgemacht“, fügt sie noch schnell an. Der Ex-Bayern-Profi und Szene-Münchner Stefan Effenberg trainiert seit Oktober den SC Paderborn. Mit überschaubarem Erfolg.

Und auch bei der Rückkehr nach Bayern wird Sarah Hakenberg den noch etwas berühmteren Kicker überholen. Während sich Effenberg am 1. April vor dem Münchner Amtsgericht wegen einer Promillefahrt nach der letzten Wiesn verantworten muss, ist die Kabarettistin schon am 12. März im Lustspielhaus zu sehen. Dann hat ihr neues Programm Premiere. Auf „Struwwelpeter reloaded“ folgt „Nur Mut!“. Darin fragt die 37-Jährige, warum wir alle denn so ängstlich sind. Jugendliche trauen sich nicht mehr die Schule zu schwänzen, Erwachsene machen Pauschalreisen und nur wenige riskieren, mal den Mund aufzumachen.

Hakenberg verweist auch auf die aktuelle Flüchtlingsdebatte, die zeige, wie ängstlich die satten Europäer seien. „Alle haben Angst, etwas abgeben zu müssen.“ Aber auch allzu sorgenvolle Eltern, die ihre Kinder helikoptergleich umkreisen, bekommen ihr Fett weg. „Seien wir mutiger“, ruft Sarah Hakenberg förmlich aus. Angst, dass ihr Kind etwas verfrüht just am Premierenabend zur Welt kommt, womöglich mitten auf der Bühne, hat die in Bayern sozialisierte Rheinländerin mit Wohnsitz Ostwestfalen jedenfalls nicht. „Das wäre doch mal eine Schlagzeile!“



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Allgemein

Gottmadinger Autorengesprch

Wann: 19.10.2017 |

Gottmadinger Autorengespräch am 19. Oktober mit Felicitas Andresen.

Unsere Reihe „Autorengespräche“ setzen wir fort mit der Schriftstellerin Felicitas Andresen. Die 2016 für ihren Roman „Sex mit Hermann Hesse“ mit dem Thaddäus-Troll-Preis ausgezeichnete Autorin ist am Donnerstag, 19. Oktober ab bei uns zu Gast, wie immer moderiert von Frau Dr. Sprollmann.

Ort des Geschehens ist das St. Georgshaus.



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Allgemein

Fahrt nach Riehen zur Fondation Beyeler

Wann: 02.12.2017 | 8:00 Uhr

Fahrt nach Riehen zur Fondation Beyeler, genauer zur Paul-Klee-Ausstellung; am 2. Dezember 2017

     Infos unter www.fondationbeyeler.ch

 

Ein toller Abschluss für 2017 ist eine weitere KulTour, der Weg führt nach Riehen, genauer in die dortige Fondation Beyeler. Diese präsentiert im Rahmen ihres 20-jährigen Jubiläums eine große Paul Klee - Ausstellung. Wer die Fondation und die Qualität der Ausstellungen kennt, wird ahnen, dass die mit rund 100 Werken bestückte Sicht auf das Gesamwerk des Ausnahmekünstlers etwas ganz besonderes sein wird.

Am Samstag, 2. Dezember sind wir ab 8.00 Uhr mit dem Bus „on the road again“, eine Führung durch die Ausstellung dient als Einstimmung fürs selber entdecken. Und am Nachmittag können wir Werke aus der Sammlung der Fondation sehen und erfahren, wie deren ihre Zukunft geplant ist. Diese ist übrigens auch mit einem Erweiterungsbau verbunden, Architekt: Peter Zumthor (siehe oben). Die Rückkehr wird ca. um 20 Uhr sein. Da die Plätze auf max. 20 beschränkt sind, ist eine zeitnahe Anmeldung sinnvoll. Kosten ca. 60,- €.



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15.09.2017 | 19:00 Uhr
Boleslav Kvapil Kunstmaler

Eröffnung der Ausstellung

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07.10.2017
Dorfspaziergang Krumbach

Zum wiederholten Mal, aber jedesmal auf neuer Entdeckungstour, lädt der FöKuHei Gottmadingen alle Interessierten ein, ans andere Ende des Bodensees mit zu fahren

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14.10.2017 | 20:15 Uhr
Nur Mut

die Klavierkabarettistin Sarah Hakenberg kommt am Samstag, 14

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